Mission "Lumpensammler" oder "(K)ein ganz normaler Tag auf der Oker" - Oker - 08.08.2000
Teilnehmer
- Patrick (Diablo I),
- Friederike (Blade),
- Doro (Kendo E),
- Falko (Kendo),
- Matthias (Pinball)
"Wollen wir nicht mal wieder auf die Oker?" - "Ja, ok." So oder so ähnlich fängt es meistens an. Die Folgen einer solchen Unterhaltung sind nicht immer so vorhersehbar, obwohl - eigentlich könnten wir inzwischen wissen, dass wir eben gerade nicht wissen, was daraus wird, schließlich machen wir es ja unter anderem genau deshalb, und außerdem ist das bekanntermaßen ein Wesenszug des Wildwasserpaddelns, aber das ist eine andere Story.
Es gibt Paddeltage, an denen man mit irgendwelchen Vorhaben und Plänen auf den Bach geht - dieses Kehrwasser habe ich noch nie gekriegt, irgendwie muß das doch klappen, heute kotze ich erst nach dem siebzigsten Cartwheel oder in diesem (meinem) Fall schlicht: Ich möchte mich daran gewöhnen, Walzen auf links zu fahren. Diesem Plan füge ich spontan noch einen weitern hinzu, als ich am Okerufer, vom Urlaub verwöhnt, meine Brillen-Antibeschlag-Gel-Zeremonie durchführe und dabei die Brille im Wasser spüle: Ich will nicht schwimmen! Entgegen andererleute Meinung ist die Oker nämlich im direkten Vergleich definitiv deutlich kälter als die als Kaltwasserfluß verrufene Soca in Slowenien oder die meisten Alpenbäche im Sommer.
Vorsätze hin, Pläne her - wir rutschen in der Regenwasserrinne des Parkplatzes ins Wasser und versuchen uns an der Kraftwerkswalze. Schön gleichmäßig, stark, nicht zu stark, und ausspucken tut sie einen auch von ganz alleine am linken Ende. Doro ist lange nicht mehr gepaddelt, läßt sich aber nicht lange bitten und fährt zunächst mal auf Friederikes Bug gestützt eine Testrunde drin. Danach das ganze nochmal mit Paddel und ohne Hilfe, hups, blubber, ach so, sooo hoch muß ich gar nicht kanten, so ist es viel leichter, prima, wo ist der Ausgang? ach, hier. Patrick freundet sich in bewährter "immer rein"-Methode mit dem Diablo an, ich probiere verschieden schnell durch die Walze zu fahren... jeder probiert und spielt, bis wir von der Walze genug haben und weiterfahren.
Nach einigem Kehrwasserfahren erreichen wir die Saure Helene. Wir traversieren hin und her, Doro hat ein kleines deja-vue mit der Mausefalle und darf sich danach wieder in das obere Kehrwasser hochackern. Etwas später kommen wir zum Sandkasten, wo wir eine Weile surfen, danach kriegen Falko und Patrick wieder nicht genug vom Kerzen im Wilden Wilfried und machen damit an den Elefantenfüßen gleich weiter. Auch zum Cartwheelen eigenet sich die Stelle prima. Falko hat hier übrigens die Kerze mit anschließender Prallwasserlandung zum Patent angemeldet und ist unbestrittener Meister darin. Die beste Figur macht dabei Friederike im Blade, welcher fürs Kerzen gebaut zu sein scheint. Das Mikro-Kehrwasser auf halber Höhe in der Kakaowalze erwischen heute alle sauber - toll! Na dann weiter, viel schiefgehen wird heute scheinbar nicht. Bis zum Baumverhau spielen wir uns weiter den Fluß runter.
Bevor wir in abgesprochener Reihenfolge Rike-Doro-Matthias-Patrick-Falko in die Slalom-Acht einfahren sage ich Doro noch, dass sie aufpassen soll, nicht quer vor Steine zu fahren, da hier der Wasserdruck doch recht kräftig ist, und los gehts. Wir folgen im wesentlichen der Hauptströmung, ich nehme ein Kehrwasser, und das nächste was ich sehe, als ich es nach 3 Sekunden wieder verlasse und flußab blicke, ist Doro, die in ihrem Boot kopfüber schräg auf die drei großen Brocken in der Flußmitte zutreibt! Ich weiß, dass genau hier schon mindestens ein Boot geknickt ist, und stelle mich gerade auf eine heftige und blitzschnelle Bergeaktion ein - da treibt sie glücklicherweise längs und in einer leichten S-Kuve (!) durch den Spalt und steigt danach aus. Jetzt geht es nur noch um eine normale Bergeaktion, viel kann nicht mehr passieren - jedenfalls Doro nicht. Sie kommt mit Friederikes Hilfe schnell ans Ufer, und ich hetze neben dem (meinem! aaaaahhh!) treibenden Kendo her, um ihn vor der Hexe noch irgendwie zu erwischen. Nach einigen vergeblichen Bulldozer-Versuchen, für die der Pinball nicht wirklich gebaut wurde, gebe ich ihn auf und ziehe es vor, mich ins Kehrwasser zu verpieseln, anstatt mich mit dem treibenden Boot in der Hexe zu drängeln...tschüß! Und bitte bleib im Tumpen vor der Geisterbahn liegen! Ich winke Falko, er soll sich beeilen, herzukommen, damit wir zusammen den Kendo jagen können. Da zeigt Friederike auf die andere Seite des Felsens, an dem ich gerade liege. Ich paddle wie irre um ihn herum, nur um festzustellen, dass ich mich gar nicht hätte beeilen brauchen: Doros Paddel hat sich dort festgehängt. Ich bringe es auf die kleine Insel vor der Hexe, und dann fahre ich wieder im Kehrwasser hoch, um nachzusehen, was Falko da eigentlich so lange treibt, dass er immer noch nicht hier ist. Wo mein Kendo wohl jetzt gerade ist?? Vorstellungen von im Knicken weißwerdendem PE und dicken Schrammen auf dem Deck verdränge ich ganz schnell.
Flußauf erblicke ich jetzt Patrick, der in derselben fiesen Dreifachkombination Gunnars Emergency-Move nachmacht, durch die gerade eben Doro mit Glück durchgetrieben ist! Ich sehe im Geiste schon das nächste Boot buchstäblich den Bach runtergehen, aber er bringt neben seinem Boot sogar sein Paddel mit an Land. Wie praktisch! Dann kann ja Falko jetzt vielleicht endlich...? Er kommt; Blitzabsprache folgender ausgeklügelter Strategie: Wir heizen zu zweit so schnell wie möglich die Hexe runter und versuchen, den Kendo bald einzuholen. Ja, die Oker mündet nach 1,3 km in einen kleinen Stausee. Aber vielleicht hängt das Boot ja irgendwo im Kehrwasser? Im Stausee fließt das Wasser nämlich auch, und nach ein paar Minuten verschwinden Boote und sonstiges Treibgut mitsamt dem Fluß in einem Stollen...die ganzen schönen Kehrwasser sind mir jetzt egal, Vollgas! Im Tumpen vor der Geisterbahn: Natürlich nichts. Mist. Blind in die Geisterbahn braten ist nicht so sinnvoll, auch dort möchte ich mich nicht mit einem querliegenden Boot anlegen. Ein Fußgänger zeigt uns, was wir im selben Moment auch sehen: Etwas rotes leuchtet aus dem ersten Kehrwasser in der Geisterbahn zu uns herauf. Yippie! Der Kendo ist sehr bergefreundlich angetrieben und nur leicht lädiert, die Spitze hat eine Mikrodelle, Glück gehabt.
Nachdem wir den Kendo wieder vor die Hexe hochgetragen haben stecken wir Doro gleich wieder in selbigen, und nun fahren auch die anderen drei bis zum Tumpen. Da wir sowieso gerade stehen, sichern Falko und ich die Hexe ab. Prima sicher fährt Doro hindurch, steuert gezielt das Kehrwasser an, in dem Friederike auf sie wartet, und legt sich bei einer Kehrwasserkenterung elegant in die Fluten. Macht nix, Rikes Bug ist ja da, daran kann man sich prima hochstützen. Äh, wo ist Doros Paddel jetzt?? Es treibt natürlich außerhalb meiner Reichweite an mir vorbei, natürlich auch in Richtung Geisterbahn...hört das denn nie auf? Ich winke Patrick, er soll oberhalb der Hexe warten, aber er ist schon eingeschlungen, und so warte ich, bis er sicher im Tumpen angekommen ist, bevor ich dem Paddel nachlaufe. Sowohl im Tumpen als auch in der Geisterbahn: Kein Paddel, so weit das Auge reicht. Falko und ich steigen wieder in unsere Boote. Wir wollen "ganz normal" die Geisterbahn fahren und erst wieder an das Paddel denken, wenn wir im Stausee angekommen sind, damit wir unterwegs keinen Mist bauen. Guter Plan. Nebenbei: Es ist Falkos Geisterbahn-Premiere. Wir treffen uns im ersten Kehrwasser (wo wir vorher den Kendo gefunden haben). Von dort aus lasse ich mich rückwärts auf ein Prallwasser treiben und reite es nach links in ein Kehrwasser ab. Aus diesem lutscht es mich leider rückwärts raus. Uh, oh, das wird blöd jetzt...zang! Rückwärts pralle ich gegen die Felswand in der scharfen Steilkurve, mein Bug treibt herum, oh praktisch, vielleicht schaffe ich es noch vor der Walze mich wieder geradezu....hmpf! Quer drin, natürlich auf links. Egal, ich nehme den Notausgang und arbeite mich in das kleine Kehrwasser an ihrem rechten Ende. Blick nach oben: Wo ist Falko? Er sitzt etwas höher in einem Kehrwasser. Sieht gut aus. Ich winke ihm, an mir vorbeizufahren. Falko schlingt in die Hauptströmung ein, kommt gut durch die Steilkurve und - fährt leider schräg in die Walze direkt vor der Tischplatte und kantet falsch. Er ist zum greifen nah, aber helfen kann ich ihm im Moment nicht. Nachdem er einen netten Power-Wah-Tonk gebaut hat - aus understatement natürlich ungegrabbt - treibt er kieloben an mir und angenehmerweise auch an der Tischplatte vorbei. Ich sehe noch, wie er über einen flach aussehenden Felsriegel in ein Kehrwasser tiefer gespült wird, denke aua, und dann liegt sein Boot so überkopf hinter einem Felsen, dass ich nur noch die Spitze sehen kann. Eine Sekunde, zwei, drei, vier, fünf...es ändert sich nichts. Falko?! Falko!! Dann taucht sein Helm über dem Felsen auf, demnach steht er schon neben seinem Boot. Schön zu wissen! Auf mein OK-Zeichen (er kann nur meinen Arm sehen) folgt seins als Antwort - ich sehe auch nur seinen Arm, aber wir haben uns verstanden. Dann kommt er etwas näher, ich zeige ihm, dass ich die restlichen zwanzig Meter alleine bis in den Stausee fahre. Inzwischen jage ich zwei Paddel, denn Falkos ist offensichtlich auch weg...
Unten angekommen treffe ich Friederike, die inzwischen zu Fuß zum Stausee gelaufen ist und Falkos Paddel schwimmenderweise an Land bringt. Ganz hinten auf dem Stausee blitzt es neonrot...Doros Paddel! Nach einigen hundert Metern See habe ich es und bringe es wieder an das Ende der Geisterbahn zurück, wo ich es auf den Kies werfe. Jetzt muß Falko noch irgendwie mit seinem Boot von der Verlobungsinsel runter...der Einfachheit halber schubst er den Kendo günstig in die Strömung, sodass er in den Stausee treibt, wo ich ihn einfach bergen kann. Er selbst folgt mittels der Technik des "Hinterherspringens" und schwimmt ans Ufer des Sees.
Nach meiner Rechnung haben wir jetzt alles wieder. Wir stehen noch etwas am Ufer und tauschen Details aus, die der jeweils andere nicht mitbekommen hat, bevor wir uns auf den Weg hinauf zum Parkplatz machen, wo die anderen schon am quatschen sind. Dort ziehen wir noch ein bisschen Bilanz des Tages, und das Gespräch führt irgendwann zu der Frage: "Wollen wir noch was zusammen kochen?" Wir freuen uns, zur Abwechslung bei einer Frage angekommen zu sein, deren Antwort und Folgen relativ vorhersehbar sind, und machen uns auf den Heimweg.



