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Mission "Wasserwerfer" - Werdersee - 09.-10.09.2000

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Gähn. Blick aus dem Fenster. Wir sitzen im Auto. Nix neues. Ohne Boote auf dem Dach. Hä? Da stimmt doch was nicht? Der Blick in den Kofferraum beruhigt mich: Vollgestopft mit Paddelkrams. Oh, hinter dem Taschenberg, gegen den gelehnt ich döse, sitzt ja jemand! Hi Patrick, Du bist auch dabei? Schön! Langsam erinnere ich mich, wohin ich aus einer hektischen Woche überstürzt aufgebrochen bin: Wir fahren nach Bremen, zum Kanupolo-Fun-Turnier der Bremer Poluten, welche uns freundlicherweise als Kanonenfutter eingeladen haben.

Ziemlich spät abends, jedenfalls im dunkeln, erkennen wir auf dem Gelände am Werdersee im Nebel nur wenig vom Lager der anderen Mannschaften, welches hier gerade entsteht. Jasmin ist schon da. Goska ruft an: Sie kommt von ihrem Praktikum aus zum Turnier! In einem grossen Küchenzelt finden wir mutterseelenallein Bier, Erfrischungsgetränke, Bier, Chips, Bier, Salate, Bierbänke, Bier und Bier. Solchermaßen beruhigt gehen wir schlafen. Der Tag morgen wird anstrengend!

Am Samstagmorgen erfahren wir zunächst einmal, dass wir ein Spiel schon gewonnen haben - unser erster Gegner ist nicht erschienen. Ob diese Mannschaft die Hosen voll hatte oder sie sich für uns diese Mühe nicht machen wollten, ist mir nicht bekannt. Um schonmal warmzuwerden spielen wir das erste Spiel des "Allstar"-Teams - einer Mannschaft, die immer wieder in neuer Besetzung spielt, im ersten Spiel eben voll mit Clausthalern. Hm...naja, wir leihen uns noch einen Spieler einer anderen Mannschaft dazu, um jemanden zum auswechseln zu haben und uns nicht gleich völlig totzumachen. Ach ja, Boote und Paddel leihen wir uns auch gleich noch, sind doch unsere beiden einzigen Poloboote ziemlich löchrig und die Paddel wären nicht mehr ins Auto gegangen.

Kurzes Beschnuppern der Gegenmannschaft vor dem Anpfiff: Blutige Anfänger, spielen erst seit 3 Monaten Polo. Wir verabreden, dass wir ohne reinschubsen spielen und gewinnen werden. Nach der ersten Halbzeit ist schnell klar: Wir müssen uns was einfallen lassen, wenn wir das 1:4 (oder so) noch ausgleichen wollen! Unser Plan: Tore werfen. Leider haben wir taktisch so ziemlich gar keine Ahnung und verlieren in dem Chaos aus 10 Booten jede Übersicht. Abpfiff! Ungefähr 1:8 geschlagen verlassen wir das Feld und freuen uns, überhaupt ein Tor geschafft zu haben. Die Osnabrücker spielen zwar erst seit 3 Monaten; aber eben fünf gegen fünf, auf einem normal großen Feld und auf Tore, welche ca. die 3-fache Fläche wie unsere geliebten Hula-Hoop-Reifen haben. Unser Torwart Patrick tut hier wie auch den Rest des Wochenendes trotzdem sein möglichstes. Immerhin: Dies Spiel geht nicht auf unser Clausthaler Konto, wir haben für die "Allstars" verloren. Im nächsten Spiel gehts bestimmt besser!

Nach einer mittleren Pause gehts dann gegen eine der drei Bremer Mannschaften. Sie spielen sehr fair, diszipliniert und leider auch Lichtjahre überlegen. Das Ergebnis liegt denn auch irgendwo im Bereich von 11:0. Noch eine neue Feststellung: Wir brauchen mehr Kondition! Viel mehr Kondition! Und das schnell, bis zum nächsten Spiel ist es nur noch eine halbe Stunde. Wir versuchen es mit essen und trinken.

Die Young Idiots, bestehend aus einer Horde freundlich-chaotischer Wildwasserpaddler, welche sich am Freitag abend noch schnell zum ersten gemeinsamen Training auf dem Werdersee getroffen haben, sind unsere ersten ernstzunehmenden Gegner an diesem Wochenende - ernstzunehmen im Sinne von möglicherweise besiegbar. Wir kennen einige von ihnen aus diversen Wildwasserbegegnungen. Lutz macht prima Bratäpfel! Nachdem wir uns wieder quer über den Platz unser Material zusammengeliehen (Verena: "Nimm mein Paddel, das ist eine echte Nahkampfwaffe!") und eine Austauschspielerin rekrutiert haben, beginnt eine komische Mischung aus Ehrgeiz und Humor. Beide Seiten wissen, dass sie gewinnen *können*, die Young Idiots sind in ihren Spielen bisher auch nicht besser dran als wir, gleichzeitig zwingt aber so manche Situationskomik die Lachmuskeln in die Knie. Alle spielen mit 100% Einsatz. Lutz ist immer da, wo man ihn eigentlich nicht haben möchte, beisst sich dafür aber an unserem Torwart die Zähne aus. Ungefähr ein drittel der Spielzeit kämpfen wir nicht gegen die anderen, sondern mit einem Lachkrampf. Mit stolzem 4:3 (oder so) gewinnen wir knapp vor Schluss. Ein schönes und faires Spiel (fair soweit wir das mit unseren Regelkenntnissen beurteilen können... Anm. des Webmasters *gg*)!
Eigentlich unser erstes, das den Namen Spiel verdient.

Den Rest des Tages beobachten wir die besseren Mannschaften bei ihren Spielen und lernen so einiges dazu: Drängeln ist zwar nicht in jeder Form erlaubt, aber ohne Drängeln hat man auch keine Chance. Gutsitzende Facemasks machen Sinn - schlechtsitzende unter Umständen eine Schnittwunde ins Kinn. Die neuen Poloboote sind wendiger als die alten. Tore wirft man am besten superhart und von nicht zu weit weg. Der Torwart sollte ein langes Paddel haben. Die Spieler einer Mannschaft sollten sich über ihre Spielpositionen und Aufgaben einigen, am besten vor dem Spiel. Kraft und Kondition sind in einem viel extremeren Maß wichtig als zumindest mir klar war. Usw....

Natürlich haben wir nicht nur Strategiestudien gemacht. Neben "Klammtours"-Gunnar mit seinem Horrorkabinett in Form von Fotos einer unfreiwilligen Expedition unterhält uns auch die Frage, wie wir das nervige Modellflugzeug abstellen können, das den ganzen Tag über uns kreist. Wir grillen und quatschen noch ziemlich lange, und es stellt sich heraus, dass die wenigsten Kanupolospieler nur Kanupolo spielen; vom Seekayaker bis zum Wildwasserpaddler sind eigentlich fast alle Varianten des Kajaksports vertreten. Gesprächsstoff für mehr als einen Abend!

Der folgende Sonntag beginnt wieder im Nebel. Nach einem weiteren Spiel des Schemas "Wir haben Angriff - die anderen machen das Tor" gegen die Auswahl Kopenhagens freuen wir uns auf eine zweite Begegnung mit den Young Idiots. Diese fordern Revanche für ihre gestrige Niederlage. Gut, sollen sie haben... dank der intensiven Strategie-Crash-Kurse, welche wir von unseren diversen erfahrenen Gastspielern erhalten haben, können wir gegen den Siegeswillen unserer Gegner anhalten, welche inzwischen auch dazugelernt haben. Auch dieses Spiel gewinnen wir ultraknapp. Ich ernenne hiermit die "Young Idiots" zu den humorvollsten Gegnern des Turniers! Ihr bekommt sicher noch eine neue Chance, Leute!

Als wir an Land gehen bemerken wir, dass der Kameramann vom "Offenen Kanal Bremen", welcher einen kurzen Bericht über Kanupolo dreht, ausgerechnet unser chaotisches Spiel aufgenommen hat. Vielleicht hätter er jemanden fragen sollen, der sich mit sowas auskennt? Falko und ich beschließen, meine fixe Idee, ihm ein Strategie-Interview zu geben, zugunsten unseres bisher ungetrübten Verhältnisses zur Kanupolo-Szene nicht umzusetzen...

Müde und mit langen Armen packen wir unser Gepäck in den Wagen. Dabei bekommen wir fast Platzprobleme wegen des ganzen neuen strategischen Wissens. Yippie - letztes Jahr Turnierletzte, dieses Jahr Turnier-Zweitletzte...wieviele Mannschaften liegen zwischen uns und der Bundesliga? - Nachdem wir Goska wieder zu ihrem Zug zum Praktikumsplatz gebracht haben machen wir uns zufrieden auf den Heimweg.

Gähn. Blick aus dem Fenster. Wir sitzen im Auto. Nix neues. Ohne Boote auf dem Dach. Hä? Da stimmt doch was nicht? Der Blick in den Kofferraum beruhigt mich: Vollgestopft mit Paddelkrams. Ich glaube, an diese Kombination werde ich mich in nächster Zeit gewöhnen...

Nachwort

Es hat uns sehr gefallen bei Euch Bremern! Danke für den ganzen Aufwand, den Ihr mit der Organisation gehabt habt. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir im Winter ein Funturnier in Clausthal ausrichten. Info folgt. Wir freuen uns schon jetzt drauf!