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Die Gerechtenvon Albert Camus"Die Gerechten" spielt im Rußland der Zarenzeit kurz vor der Oktoberrevolution. Die sozialrevolutionäre Partei hat sich bereits gegründet und verfolgt ihr Ziel, die Ablösung des Zarenregimes, mit unerbittlicher Härte. Camus zeichnet in "Die Gerechten" das Bild von fünf Menschen, die sich zusammengefunden haben, um mit einem Bombenanschlag ein Zeichen zu setzen. Ihre Beweggründe hierfür sind jedoch gänzlich unterschiedlich. Da ist Janek, der Dichter, ein Mensch, der das Leben und die Schönheit liebt. Seine Liebe gilt aber auch der einzigen Frau in der Gruppe: Dora, die die Bomben herstellt. Auch sie liebt Janek, aber noch wichtiger als ihre Liebe füreinander ist ihnen die Liebe zum Volk, für das sie ihr persönliches Glück aufgeben. Alexis, der sich auf der Universität nicht einfügen konnte, ist aus Idealismus zum Terrorismus gekommen, zweifelt aber daran, ob er wirklich dazu geeignet ist. Und dann ist da noch Stepan, ein Fanatiker, der am liebsten ganz Moskau sprengen würde. Zusammengehalten und geführt wird die Gruppe von Borja, dem kühlen Kopf, der die schwierige Aufgabe hat, die unterschiedlichen Mitstreiter zu vereinen und die Konflikte, auf die sie zusteuern, zu entschärfen. Bereits in der ersten Szene verliest er die Proklamation und damit das Ziel der Terroristengruppe: "Ganz Rußland wird erfahren, daß der Großfürst Sergej von der Kampfgruppe der sozialrevolutionären Partei durch eine Bombe hingerichtet ist, um die Befreiung des russischen Volkes zu beschleunigen." Aber nicht nur die Motivation der Terroristen unterscheidet sich; auch die Bewertung der Tat fällt bei Ihnen völlig verschieden aus, und dies ist gleichzeitig die zentrale Fragestellung, die das Stück aufwirft. Wie ist der Terrorakt zu bewerten? Ist es Mord oder ein Akt der Gerechtigkeit? Und wenn es gerecht ist, für eine gute Sache einen Menschen zu töten, wer und wie viele dürfen getötet werden? Wieviel Schuld lädt man damit auf sich, und welche Sühne ist dafür zu zahlen? In "Die Gerechten" konfrontiert Camus den Zuschauer mit der Frage "Was ist eigentlich gerecht?" und zwingt ihn, darüber nachzudenken, ob der Zweck tatsächlich die Mittel heiligt. Der Autor selbst sagt über sein Stück: "Ich habe versucht, die dramatische Spannung mit klassischen Mitteln zu erzielen, das heißt durch die Gegenüberstellung von Personen, die sich an Kraft und Intelligenz ebenbürtig sind. Aber es wäre falsch, daraus zu schließen, daß alles ins Gleichgewicht kommt und daß ich angesichts der hier gestellten Probleme zur Untätigkeit rate. Meine Helden Janek und Dora besitzen meine ungeteilte Bewunderung. Ich wollte bloß darlegen, daß auch der Tat selbst Grenzen gesetzt sind. Nur die Tat ist gut und gerecht, die diese Grenzen anerkennt,und, falls sie sie überschreiten muß, zumindest in den Tod willigt. Unsere Welt zeigt uns heute ein widerliches Gesicht, gerade weil sie von Menschen gezimmert wird, die sich das Recht anmaßen, diese Grenzen zu überschreiten und insbesondere Mitmenschen zu töten, ohne selbst mit dem Leben zu bezahlen. So kommt es, daß die Gerechtigikeit heute überall auf der Welt den Mördern jeglicher Gerechtigkeit als Alibi dient." Personen und Darsteller
FotosBilder von Aufbau und Aufführung.Zeitungsartikel |