Das Studentennetz der TU Clausthal
So selbstverständlich wie über Stromsteckdosen verfügen alle 1000
Wohnheimplätze in Clausthal über einen Netzanschluß im Zimmer.
Mit der Integration der Studierenden in das Hochschulnetz ist die TU Clausthal
einer der Vorreiter in Deutschland.
Bereits im Sommer 1993 planten zwei Clausthaler Wohnheime den Aufbau eines
lokalen Netzes und suchten zugleich nach einem EMail-Zugang. Mit der
Unterstützung des Studentenwerks und des Rechenzentrums verkabelten
die Bewohner Anfang 1994 ihre Zimmer. Im März 1994 erfolgt die
Anbindung des ersten Wohnheims an das Hochschulnetz - es war nicht nur
das erste Wohnheim in Clausthal, sondern das erste an einer deutschen Hochschule.
Bestand die erste Anbindung noch aus einer Modem-Standleitung mit 19,2 kBit/s,
so sind im Sommer 1998 fast alle der 12 Clausthaler Wohnheime mit Glasfaser in
das Hochschulnetz integriert. Die größten Häuser verfügen
sogar über einen Anschluß mit 100 MBit/s. Lediglich zwei außerhalb
liegende Heime konnten nur mit einen 2 MBit/s schnellen Funkverbindung erreicht
werden. Aber selbst die dort üblichen Übertragungsraten von 100 kByte/s
liegen um Größenordnungen über dem mit Modemverbindungen
möglichen und sind ausreichend für Multimedia-Anwendungen im Netz.
Der schnelle Netzanschluß im eigenen Zimmer versetzt die Clausthaler
Studierenden in die Lage, schon heute Internet-Anwendungen von morgen zu
erproben. Dazu gehören Videokonferenzen und die Teilnahme an
"virtuellen Vorlesungen und Seminaren" im Netz. Das Wohnheimnetz nimmt am Multicast
Backbone (MBone) teil, in das einige Hochschulen versuchsweise Vorlesungen
und Veranstaltungen mit Video und Ton einspeisen.
Die alltägliche Nutzung des Netzzugangs gilt aber auch hier den
weitverbreiteten Internetdiensten WWW und EMail. Für viele Bewohner
ist es schon selbstverständlich, einen PC mit ständig verfügbarem
Zugang zum Internet im Zimmer stehen zu haben. Sie kommunizieren mit
Mitarbeitern ihres Instituts und Freunden per EMail und sind in Diskussionslisten
aktiv, die sich mit verschiedensten Fach- und Freizeitthemen beschäftigen.
Die Beispiele für die Nutzung des WWW zur Informationsbeschaffung sind
so vielfältig wie das Informationsangebot dieses Mediums. Sie reichen
von der Suche nach Material für die Studien- oder Diplomarbeit, bis hin
zum täglichen Blick auf den Speiseplan der Mensa.
Viele Studierende bereichern selbst das Internet-Angebot mit eigenen WWW-Seiten.
Auf der einen oder anderen Homepage im Wohnheim verbergen sich interessante
Angebote, wie Mitschriften von Vorlesungen, Umweltinformationen, Kunstangebote,
Gesetzestexte, Öffnungszeiten und Veranstaltungshinweise. Eine Reihe von
WWW-Präsentationen von Instituten und Projekten werden von Studierenden
an ihrem Wohnheimarbeitsplatz bearbeitet. So wird z. B. der an der TU Clausthal
beheimatete Server von "Jugend forscht" von einem Studenten im Wohnheim gepflegt.
Neben der Nutzung des Internet ist der Zugang vom studentischen PC über das
Netz zu Rechnern in den Instituten und zentralen Einrichtungen eine
entscheidende Anwendung für das Wohnheimnetz. Auf Unix-Workstations kann
ein Benutzer auch über das Netz von einem entfernen PC arbeiten - und
dies nicht nur mit einem Texteingabefenster, sondern mit der vollständigen
graphischen Benutzeroberfläche. Bei einem schnellen Netz ist ein Unterschied
zwischen dem Monitor der Workstation und dem "Remote-Arbeitsplatz" nicht zu
erkennen. Diese Möglichkeit, von zu Hause im Institut zu arbeiten, nutzen
vor allem Studierende der Ingenieurwissenschaften. Sie bearbeiten die Aufgaben
zu Ihrem CAD-Praktikum und nutzen Simulationssoftware, die nur auf großen
Rechnern läuft, über ihren PC. Damit sind die vernetzten Heimbewohner
unabhängig von Öffnungszeiten und Belegungsplänen der
Rechner-Pools in der Hochschule.
Die Computer-Freaks unter den Heimbewohnern haben mit dem Wohnheimnetzen viel
Gelegenheit, Erfahrungen mit Netzwerken und Internetdiensten zu sammeln.
Dieses zur Zeit in der Wirtschaft sehr gefragte Praxiswissen läßt
sich in Vorlesungen nicht vermitteln und an einem einzelstehenden PC kaum
erarbeiten. Aber auch das EDV-Wissen der "normalen Anwender" liegt über
dem Durchschnitt. Die Wohnheimbewohner arbeiten häufiger mit ihrem PC;
einige haben sogar erst wegen des Wohnheimnetzes einen eigenen Computer gekauft.
Im Durchschnitt der Heime sind über 2/3 aller Bewohner an das Netz
angeschlossen - nahezu jeder, der einen PC besitzt.
Mit der Vernetzung der 1000 Wohnheimplätze in Clausthal steht etwa einem
Drittel aller Studierenden ein Zimmer mit Netzanbindung zur Verfügung.
Aber auch diejenigen, die eine private Wohnung dem Studentenwohnheim vorziehen,
sind von der Netznutzung nicht ausgeschlossen. Im Rechenzentrum und einigen
Instituten sind Rechner-Pools für Studierende eingerichtet, für die
Einwahl über das Telefonnetz per Modem oder ISDN gibt es Anschlüsse
in ausreichender Zahl. Ferner sind eine Reihe von Häusern studentischer
Verbindungen über eine Modem-Standleitung an das Rechenzentrum angebunden.
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